Podiumsdiskussion „Facebook, Snapchat und die NSA liest mit“

Am 28. Mai 2018 setzte das Wiener Don Bosco Hausder mit dem Österreichischen Familienbund gemeinsam ein Zeichen gegen Cybermobbing.

In der hochkarätigen Expertinnenrunde saßen die österreichische Familienministerin Juliane Bogner-Strauß, die Medienpädagogin Caroline Weberhofer, Heidrun Strohmeyer als Vertreterin des Bildungsministeriums, Christina Gabriel vom Kriminalamt Wien und die betroffene Mutter Michaela Horn.

Der Umgang mit digitalen Medien wird zur Kulturtechnik

„Die junge Generation wächst heute in einer immer stärker digitalisierten Welt auf. Der Umgang mit digitalen Medien wird daher zu einer wichtigen Kulturtechnik. Das bietet einerseits vielfältige Chancen, das veränderte Nutzerverhalten birgt aber andererseits auch gewisse Risiken“, sagte Bundesministerin Juliane Bogner-Strauß. Derzeit gibt es eine Kompetenzlücke bei den Eltern, die noch nicht mit dem Internet aufgewachsen sind. Wichtig sei es daher, zu lehren und zu lernen, in der Schule und in der Familie mit der digitalen Welt umzugehen.

Viele Male hat Michaela Horn bereits über das Schicksal ihres Sohnes gesprochen, der sich im Alter von 13 Jahren umgebracht hat. Auslöser für die Verzweiflungstat waren Angriffe gegen ihn im Internet. Zuletzt wurde er als homosexuell beschimpft. Erst einige Wochen nach Joels Selbstmord erfuhren die Eltern von diesen Übergriffen. Seither engagiert sich Michaela Horn für bessere Gesetze, für Prävention und für Zivilcourage im Internet. Einen Schritt in diese Richtung hat die Medienpädagogin Caroline Weberhofer gemacht. Sie hat mit Studierenden einen Film für Jugendliche über Joels Geschichte initiiert.

Eine wichtige Rolle nehmen nach dem Elternhaus die Verantwortlichen in der Schule ein. Heidrun Strohmeyer leitet die Abteilung IT im Bildungsministerium. Es gibt bereits mehrere Schwerpunkte für Datenkompetenz in der Schule: „Erfolgreich sind alle Maßnahmen, die Eltern, Schüler und Lehrer gemeinsam erarbeiten“, weiß Heidrun Strohmeyer aus der Praxis. Ob nicht bereits im Grundschulalter mit der Vermittlung dieser Fertigkeiten begonnen werden soll, darüber sind sich nicht alle einig. Ebenso ist ein Internet-Führerschein nach Vorbild der Fahrradprüfung in Diskussion – vor allem Eltern können dieser Idee einiges abgewinnen.

Im Rahmen der Medienkompetenz ist der Umgang miteinander ein wichtiger Bereich. Mit der Verbreitung von Internet und Handy findet das absichtliche Beleidigen, Bedrohen und Bloßstellen unter Kindern und Jugendlichen vermehrt in der virtuellen Welt statt. Man spricht dann von Cybermobbing. Besonders sensibilisiert ist die Polizei. Programme unterstützen die Informationstätigkeit in den Schulen, aber wie Christina Gabriel vom Wiener Kriminalamt sagt: „Im Umgang mit Gewalt in neuen Medien muss bewusst sein, dass wir begleitend da sind und Schwerpunkte setzen. Wir sind aber nicht jeden Tag vor Ort.“

Alle Expertinnen sind sich einig: Die kompetente Begleitung kann nur gemeinsam gelingen. Gefragt sind bei der Prävention gegen Gewalt im Netz alle Vertrauenspersonen junger Menschen.

Michaela Horn ist sich sicher: „Wir müssen Kinder stark machen, mutig machen und uns Zeit nehmen. Sozialkompetenzen sind auch im Verhalten im Internet wichtig.“ Was rät Medienpädagogin Caroline Weberhofer? „Wir Erwachsene haben hier Vorbildwirkung. Wenn wir respektvoll miteinander umgehen, ist auch die Hemmschwelle höher, andere zu mobben.“ Hier könnte der Religionsunterricht durchaus eine Rolle spielen. „Moralische Fragen sollen auch in der Schule erörtert werden“, sagt Michaela Horn.

Und Christina Gabriel meint, dass es wichtig wäre in der Gesellschaft die Empathie zu steigern: „Es wird immer schwieriger, dass Erwachsene Zivilcourgage zeigen. Manchmal besteht die Sorge, dass ein Opfer noch stärker gemobbt wird, wenn jemand den Betroffenen beisteht.“

Cybermobbing ist kein dummer Streich, sondern eine Straftat

Kein Pardon kennt daher Familienministerin Bogner-Strauß bei Kriminalität im Internet: „Die möglichen negativen Auswirkungen von Facebook, Snapchat und Co sind uns heute bekannt und es wird zum Glück vermehrt darüber diskutiert. Cybermobbing ist kein dummer Streich, sondern eine klar strafbare Handlung.“

2016 wurde die Gesetzeslage in Österreich geändert. Michaela Horn wird dennoch nicht aufhören, über den tragischen Tod ihres Sohnes zu sprechen. Ihre Botschaft an die Kinder: „Habt keine Angst mit euren Lehrern, Eltern und Freunden zu sprechen. Es ist nicht aussichtslos.“

(presse don bosco/familienbund)

Setze ein Zeichen

Im Film der Medienpädagogin Caroline Weberhofer mit Studierenden der Alpen-Adria-Universität. Erzählt Michaela Horn, die Mutter des Cybermobbing-Opfers Joel erzählt die Geschichte ihres Sohnes: ZUM FILM

Weitere Informationen

  • Saferinternet.at - ein Angebot für die ganze Familie
  • Click und Check und All right – alles was Recht ist! Die Gewaltpräventionsprogramme der Polizei für einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien und für die Förderung des Rechtsbewusstseins: MEHR
  • No hate - die Initiative des Europarates ist es, Hass, Diskriminierung und Ausgrenzung im Internet zu bekämpfen: ZUR INITIATIVE

Auf dem Gruppenfoto (von links nach rechts): Monika Slouk (Moderatorin), Heidrun Strohmayer, Caroline Weberhofer, Alexander Laimer-Netsch (Don Bosco Haus), Michaela Horn, Juliane Bogner-Strauß, Alexandra Lugert (Österreichischer Familienbund), Pater Rudolf Osanger SDB und Christina Gabriel.

Veranstaltungen