Der Offene Kreis

Vortrag von Dr. Franz Bauer  am 17. November 2016 um 19 Uhr zum Thema „Kurze Geschichte der Migration“.

Reflexionen nach einem Buch von Massimo Livi Bacci

Der Mensch war schon immer ein Wanderer. Vor 60 000 Jahren wanderte er von Afrika nach Australien. Vor 40 000 Jahren kam er von Afrika nach Europa.

Klimaänderung und Kriege waren immer die Hauptursachen von Wanderbewegungen. Dr. Bauer gab einen Überblick über die Bewegungen vom Beginn unseres Zeitalters bis zum heutigen Tag. Ein Highlight war die Geschichte der deutschen Sprachinseln in Osteuropa. Ihre Entstehung vom Mittelalter bis in die Neuzeit und die Vertreibung von Hunderttausenden dieser Gruppen mit Ende des 2. Weltkrieges. Unzählige Menschen verloren dabei ihr Leben. Noch ein interessantes  Beispiel: Zwischen 2005 und 2010 waren 0,6 % der Weltbevölkerung, d.s. ca. 42 Mill. Menschen unterwegs.

Die Migration ist ein Vorrecht des Menschen, globale Kräfte treiben sie an. Der Fortschritt in Europa ist auf die historischen Wanderungen zurückzu­führen. Wie die Geschichte zeigt, war dies auch mit Gewalt und Kriegen verbunden. Lernt man aus diesen Erfahrungen? Das ist die Frage. Wir haben sehr nationalistische Vorstellungen von homogenen Gesellschaften. Aber zu einer freien demokratischen Gesellschaft gehört auch der Umgang mit Unterschieden. Gegenüber den Ausländern herrscht eine geringe Toleranz. Max Frisch hat im Blick auf die Situation der Fremdarbeiter einmal die Kurzsichtigkeit der Regierungen in dem Satz zusammengefasst: "Wir riefen Arbeits­kräfte, und es kamen Menschen."

Zu unserer jetzigen Situation könnte man mit Adorno sagen: Zur Qualität einer Demokratie gehört „ohne Angst verschieden sein zu können.“

Die Interessenkonflikte zwischen den Herkunftsländern, den Aufnahmestaaten sowie den Migranten waren noch nie so evident wie heute. Für die EU- Staaten werden noch viele Probleme zu lösen sein, wo doch die Eigenstaatlichkeit sehr dominant ist.

 

 

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