Weltreligionen - 20. und 27. November 2015

WELTRELIGIONEN-Exkursionsreihe zu Orten religiöser Begegnung
SCHOTTENSTIFT – Freyung 6, 1010 Wien
(Gekürzter Bericht)

Auf Grund des großen Interesses konnten im Schottenstift zwei Führungen nämlich am 20. und 27. November 2015 veranstaltet werden. Insgesamt 48 Personen trafen sich im Klosterladen. Frau Eva Landauer führte beide Gruppen auf sehr informative und eindrucksvolle Weise.

In der Krypta gab uns Fr. Landauer einen historischen Überblick über die Gründung des Schottenstiftes 1155 durch Herzog Heinrich II Jasomirgott, der iroschottische Mönche aus Regensburg auf der Freyung ansiedelte. Ab 1418 nach dem Rückzug der Iroschotten übernahmen deutschsprachige Benediktiner das Kloster. Das Schottenstift trägt seither die Bezeichnung: Unsere Liebe Frau zu denSchotten. In der Krypta befindet sich das Grabmal von Heinrich Jasomirgott und seiner Gattin Theodora bzw. von Graf Rüdiger von Starhemberg. Er war Stadtkommandant während der 2. Türkenbelagerung 1683.
1155 begann man mit dem Bau einer dreischiffigen romanischen Pfeilerkirche mit Apsis. Diese wurde nach dem 30jährigen Krieg wegen Baufälligkeit abgerissen und durch Antonio Carlone und Andrea Allio dem Älteren und Andrea Allio dem Jüngeren eine frühbarocke Kirche ohne Unterkirche errichtet. 1648 war der Neubau vollendet. 1883-1887 wurde die Kirche von Heinrich Ferstl und Max Haas umgestaltet, wie sie sich heute zeigt. Das alte Altarbild befindet sich jetzt im Prälatensaal, der für Konzerte und andere Veranstaltungen Verwendung findet.

Unter Josef II gelang es Abt Benno Pointner die Aufhebung des Klosters zu verhindern. In diesen Zeitraum fiel auch die Inkorporation vieler Pfarren. Außer dem Asylrecht gab es auch das Begräbnisrecht, das stark eingeschränkt wurde. 1807 wurde durch kaiserliches Dekret das Schottengymnasium gegründet, heute eines der letzten humanistischen Gymnasien Österreichs. Derzeit sind 19 Mönche im Haus, die 11 Pfarren betreuen und Unterricht in der Schule geben.
Die Entstehung der ersten Bibliothek geht bereits auf die irischen Mönche zurück. Mit der 1365 gegründeten Wiener Universität gab es bald enge Beziehungen, die dazu führten, dass immer wieder Mönche sowohl an der Universität als Lehrende als auch in der klösterlichen Schreibstube tätig waren.
Der heutige klassizistische Bibliotheksaal von Joseph Kornhäusl ist mit 35 000 Büchern aus dem 18. Jhd. und insgesamt 200 000 Bänden die größte Privatbibliothek von Wien. Das Schottenstift ist das älteste Kloster, mit der ältesten Schule Wiens und beherbergt die größte klösterliche Münzsammlung.
Im 1970 angelegten Musikarchiv befinden sich mehr als 2500 handgeschriebene kirchenmusikalische Kompositionen und mehr als 600 gedruckte Notenblätter.

Weiters besichtigten wir das Museum, das sich in der ehemaligen Prälatur befindet und in dem sich wertvolle Landschaftsbilder, kostbare Möbeln, liturgische Geräte, liturgische Gewänder, Bücher, Handschriften und Urkunden befinden.
Der kostbarste Schatz ist der sogenannte Schottenaltar. Von den 24 Tafeln sind 21 erhalten. Es handelt sich um ein Hauptwerk der gotischen Tafelmalerei. Der namentlich unbekannte Künstler dürfte aus Nürnberg zugewandert sein. Auf 2 Tafeln sieht man wie Wien 1470 ausgesehen hat. Bei den Passionsbildern (Jesus stürzt) ist im Hintergrund die Stadt Krems abgebildet. Leider war Fotographierverbot! Frau Landauer verstand es hervorragend uns die Bilder in der vom Künstler gemeinten Bedeutung näher zu bringen. Herzlichen Dank!

 

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